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Keine Schichten und Schuß-Wunden

Aktualisiert: Juli 13


Statt in Großstadt-Kliniken Schichten zu schieben und „auch schonmal Schußwunden zu versorgen“ ist der Mediziner Bernd Dalheimer seit 15 Jahren Allgemeinarzt in Kempfeld. Hier hat er Zeit für die Menschen und sein geliebtes Motorrad. Zu Besuch bei dem "überzeugten Landarzt" der sich für die beschauliche Hochwald-Gemeinde entschieden hat, nahe der Wildenburg am Nationalpark.

Was ist seine Geschichte dahinter? Wir haben nachgefragt:


Herr Dalheimer, warum Arzt, warum im Hunsrück?

„Ach, das hat sich alles so ergeben. Mit zwanzig wollt ich eigentlich Profi-Fußballer werden… Mein Vater war Hausarzt in Idar-Oberstein; wir waren sechs Kinder - na, ja: davon sind drei letztlich Mediziner geworden. Als junger Mann wollte ich erst mal raus: war in einer Berliner Klinik, danach lange Jahre mitten in Frankfurt in der Notaufnahme. Aber irgendwann hat man da wirklich alles gesehen, das zehrt auch an einem. Es hat einfach gereicht, ich wollte anders leben. Jetzt geniesse ich jeden Tag hier die Traumgegend, die Vögel, das viele Grün. Entspannung pur gegenüber der Großstadt.“

Wie entspannt war aber dann jetzt der Alltag mit Corona? Da war doch auch sicher Ihre Praxis im Ausnahmezustand?

„Ja, klar lief viel auch bei uns anders als sonst. Aber ehrlich gesagt war manches ruhiger. Das Wartezimmer war leerer, weil sich viele nicht mehr wegen jeder Kleinigkeit in die Praxis getraut haben. Insgesamt ging aber alles sonst eigentlich normal weiter. Persönlich hab ich die gesamte Zeit nicht als so dramatisch empfunden. Klar, die Ausgangssperre war für einige hart, gerade für die Jugend. Ich hab davon aber gar nicht soviel mitgekriegt, abends lieg ich im Bett. Vermisst hab ich wenig - frei und zufrieden sein bedeutet halt auch, weniger Wünsche zu haben.“

Ist Allgemeinarzt nicht eigentlich ein aussterbendes Modell?

„Nein, im Gegenteil! Das wird wieder stärker kommen. Schauen Sie doch: Notdienste Abends und am Wochenende sind heutzutage abgedeckt, das war immer der große Abschrecker. Feierabend ist nun wirklich auch Feierabend. Zudem ist das Arbeitsspektrum breit - ich bin nicht Mr. Allwissend, aber in meinem Medizineralltag kommt alles mögliche vor bis hin zu kleinen OPs. Und: man kennt seine Patienten, die Familie dahinter. So hab ich schon eine Magersucht bei einem jungen Mädchen erkannt, bevor die Mutter es geahnt hat. Ich hab halt auch schon viel gesehen in den Städten: Stichverletzungen, Drogen, Schußwunden… auch meine Erfahrung als Notarzt im Hubschrauber zum Beispiel kommt mir immer wieder zugute. Einen Herz-Kreislauf-Stillstand überleben Sie bei mir.“


Was raten Sie jungen Medizinern für die Lebensplanung?

„Verharrt nicht im aufreibenden Klinik-Leben - habt keine Angst, was Eigenes anzufangen! Es ist gut, wenn man etwas von der Welt gesehen hat - aber ich zum Beispiel bin hier jetzt mein eigener Chef, bestimme meine Arbeitszeit, kann meine Mitarbeiter wählen und so weiter. Ausserdem: dieses Klischee von „Rund-um-die-Uhr“ ist ja nicht mehr - dafür gibt es unsere Notdienste. Landarzt sein ist gegen Großstadt-Klinik total entspannt. Abschalten kann ich hier von jetzt auf gleich: zum Beispiel auf meinem Motorrad - das ist mein Yoga. Ich geniesse die Landschaft, kann mal eben an die Mosel fahren, oder Abends mit meinem Mountainbike hier durch Wald und Feld. Würde ich immer wieder so entscheiden, habe es nie bereut! Ja: als Akademiker hat man hier mehr Leben für´s Geld; kann ich nur immer wieder sagen!“



Wenn Sie sich für eine Niederlassung als Allgemeinarzt in der VG Herrstein-Rhaunen oder für eine Stelle in einer Gemeinschaftspraxis interessieren, sprechen Sie mich direkt an!

Gerne konzipieren wir gemeinsam ein massgeschneidertes Modell.

Wir würden uns freuen, Sie für unsere Verbandsgemeinde zu begeistern!

Hotline: 06785 79 1108

m.hoffmann-schmidt@vg-hr.de



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